GOBAL – LOKAL / DO THE WINNERS TAKE IT ALL ? (Modul 3)

Special Event:

Andrea Fraser: „Official Welcome“ 2003 Video 29 Min.

Präsentation mit anschließendem Podiumsgespräch.

Freitag, den 8.10.2021,  19:30 – 21:30

„Official Welcome“ wird als Teil von Modul 3, also zusammen mit den Arbeiten von Zuber und Weinberger  bis zum 30.11. im Mixer zu sehen sein.

courtesy galerie nagel und draxler berlin

„Official Welcome“ (Hamburger Version) 2001–3 ist ein einkanaliges Farbvideo, in dem die amerikanische Künstlerin Andrea Fraser eine Rede vor einem Publikum im Hamburger Kunstverein hält. Fraser trägt ein schwarzes Kleid und steht auf einem weißen Podest vor einem Rednerpult und einem Mikrofon und wird von zwei statischen Digitalkameras gefilmt, während sie in ihrer Rede eine Reihe verschiedener Persönlichkeiten annimmt. Ihre Performance ist eine satirische Wiedergabe der Rhetorik und Rituale, die traditionell einen „offiziellen Willkommensgruß“ zu einer Ausstellung darstellen, wobei Fraser die Sprache und Gesten archetypischer Figuren der Kunstwelt nachahmt, darunter Mäzene, Museumsdirektoren, Kuratoren, Kritiker und Künstler. Obwohl Fraser das Publikum nicht ausdrücklich über die spezifische Rolle informiert, die sie zu einem bestimmten Zeitpunkt einnimmt, werden die Veränderungen zwischen verschiedenen Personen durch deutliche Veränderungen in Ton, Sprache und Haltung signalisiert, die oft komisch wirken. Während sie zum Beispiel in manchen Abschnitten flüssig und grandios ist, stottert sie manchmal, als ob sie Mühe hätte, ihre Gedanken zu artikulieren. Nach ungefähr zwei Dritteln des dreißigminütigen Videos beginnt Fraser, sich auszuziehen. Sie geht in schwarzer Unterwäsche und hochhackigen Schuhen an die Seite des Rednerpults und sagt dem Publikum: „Ich bin heute kein Mensch. Ich bin ein Objekt in einem Kunstwerk. Es geht um Leere“. Anschließend zieht sie die letzten Kleidungsstücke aus und setzt die Rede nackt fort. Gegen Ende der Vorstellung zieht sie sich wieder an, bevor sie zu weinen beginnt. Das Video endet damit, dass Fraser unter dem Applaus des Publikums vom Podium geht. (Deutsche Übersetzung einer englischen Performance Beschreibung auf der Webseite des Hamburger Kunstvereins).

Fotos: Kunstverein in Hamburg, Hamburg, 2003, Video-Stills.

 

 

Modul 3 : 03.09. (Vernissage) ‒ 30.11.2021

Im dritten Modul unserer Ausstellungsreihe zeigen wir 3 Arbeiten von Thomas Weinberger und Benjamin Zuber:

perasperaadastra, 2021 

gebrauchte Pokale, Luftballons, Gitterwand200 × 250 cm (Unikat)

Der Vereinspokal, Symbol eines kleinbürgerlichen Triumphstrebens, wird, sobald der Wettbewerb ausgetragen ist, meist zu einem traurigen Staubfänger, bevor er dann final entsorgt wird. Seine Kurzlebigkeit stellt auf besonders ironische Weise die Frage nach dem Sinn des Wettbewerbs. Die Künstler setzen ihm ein liebevolles Denkmal.

Augurium I-III , 2018

Druck auf Lycra Gewebe, Reißverschlüsse, jeweils 280 × 150 cm (Unikate)

Die Mutter allen Wettbewerbs ist der Wettbewerb um Finanzkapital. Wie Auguren lesen „Chart-Techniker“ die Zukunft der Finanzmärkte aus den Charts. Ihre Abbildung auf ein aus der Sportbekleidung stammendes Gewebe befreit sie von ihrer Wirkmächtigkeit.

there is no such thing as society

Megafon, Zitat von Margaret Thatcher aus Sprachsamples ihrer Stimme, 

60 × 30 × 30 cm  (Edition, Auflage: 5)

Das berühmte Zitat aus einem Interview mit Margaret Thatcher für die Zeitschrift Woman’s Own im Jahre 1987 ertönt aus einem Megaphon. Weil Margaret Thatcher den Satz so nie ausgesprochen hat, haben die Künstler die Audio-Datei aus Stücken anderer Aufnahmen der Stimme Margaret Thatchers zusammengesetzt. Das Zitat ist ein Axiom des Neoliberalismus und steht für die Aufhebung von gesellschaftlicher Solidarität und Aufwertung des Wettbewerbs zwischen Individuen.

Kurz Bios:

Thomas Weinberger:

Der in München und Berlin lebende Künstler Thomas Weinberger (*1964 in München) studierte Architektur in München und Rom und arbeitete als Architekt, bevor er sich 2001 ganz der Fotografie widmetete. In seinen meist großformatigen Foto-Arbeiten mischt er mithilfe digitaler Bildbeartbeitung das künstliche und natürliche Licht von Stadtlandschaften zu einem synthetischen Licht. Seit 2018 schafft er mit seinem Berliner Studiokollegen Benjamin Zuber auch skulpturale Arbeiten und Installationen. Er war u.a. an Ausstellungen beteiligt im Palais des Beaux Arts, Brüssel; Calouste Gulbenkian Foundation, Lissabon; Australian Center for Photography, Sydney; Centre Pompidou, Paris; MoCP Museum of Contemporary Photography, Chicago; National Museum of Modern and Contemporary Art, Seoul; UCCA Center for Contemporary Art, Beijing. 2015 nahm er an der Biennale für zeitgenössische Kunst in Thessaloniki teil.
Seine Arbeiten befinden u.a. in Sammlungen der Calouste Gulbenkian Foundation, Lissabon; des Europäischen Patentamts, München; der ING Real Estate, Amsterdam; der Münchner Rück Versicherung, München und der Bayerischen Staatsgemäldesammlung.

Benjamin Zuber:

Benjamin Zuber (*1982 in Bamberg) studierte bis 2012 an den Akademien der Bildenden Künste in Nürnberg und Wien sowie an der Hochschule für Gestaltung in Karlsruhe. Heute lebt und arbeitet er in Berlin.
Seit 2018 arbeitet er auch gemeinsam mit seinem Berliner Studiokollegen Thomas Weinberger.
Er erhielt bereits eine Reihe von Auszeichnungen, zuletzt den bayerischen Kunstförderpreis (2018). Seine Arbeiten wurden international gezeigt, zuletzt unter anderem in Ausstellungen in der Pinakothek der Moderne in München (2020, mit Thomas Weinberger), im Kallmann Museum Ismaning (2020, mit Thomas Weinberger), dem Kunsthaus Nürnberg (2019) und dem Sigmund Freud Museum in Wien (2018).
In einem permanenten Balanceakt zwischen Konstruktion und Dekonstruktion stehen subtile Bedeutungsverschiebungen im Zentrum der medienübergreifenden Installationen und Videos von Benjamin Zuber: Der Moment, in dem sich Pathos in Melancholie verwandelt, der Moment, in dem aus einer Inszenierung Authentizität entsteht und aus Komik Tragik wird.
In hoffnungsvoller Übertreibung sind seine Arbeiten unverhohlen subjektiv und zeichnen vielleicht gerade dadurch ein kleines Bild der großen Welt.

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