GOBAL – LOKAL / DO THE WINNERS TAKE IT ALL ? (Modul 3)

Modul 3 : 03.09. (Vernissage) ‒ 16.10.2021

Im dritten Modul unserer Ausstellungsreihe zeigen wir 3 Arbeiten von Thomas Weinberger und Benjamin Zuber:

perasperaadastra, 2021 

gebrauchte Pokale, Luftballons, Gitterwand200 × 250 cm (Unikat)

Der Vereinspokal, Symbol eines kleinbürgerlichen Triumphstrebens, wird, sobald der Wettbewerb ausgetragen ist, meist zu einem traurigen Staubfänger, bevor er dann final entsorgt wird. Seine Kurzlebigkeit stellt auf besonders ironische Weise die Frage nach dem Sinn des Wettbewerbs. Die Künstler setzen ihm ein liebevolles Denkmal.

Augurium I-III , 2018

Druck auf Lycra Gewebe, Reißverschlüsse, jeweils 280 × 150 cm (Unikate)

Die Mutter allen Wettbewerbs ist der Wettbewerb um Finanzkapital. Wie Auguren lesen „Chart-Techniker“ die Zukunft der Finanzmärkte aus den Charts. Ihre Abbildung auf ein aus der Sportbekleidung stammendes Gewebe befreit sie von ihrer Wirkmächtigkeit.

there is no such thing as society

Megafon, Zitat von Margaret Thatcher aus Sprachsamples ihrer Stimme, 

60 × 30 × 30 cm  (Edition, Auflage: 5)

Das berühmte Zitat aus einem Interview mit Margaret Thatcher für die Zeitschrift Woman’s Own im Jahre 1987 ertönt aus einem Megaphon. Weil Margaret Thatcher den Satz so nie ausgesprochen hat, haben die Künstler die Audio-Datei aus Stücken anderer Aufnahmen der Stimme Margaret Thatchers zusammengesetzt. Das Zitat ist ein Axiom des Neoliberalismus und steht für die Aufhebung von gesellschaftlicher Solidarität und Aufwertung des Wettbewerbs zwischen Individuen.

Kurz Bios:

Thomas Weinberger:

Der in München und Berlin lebende Künstler Thomas Weinberger (*1964 in München) studierte Architektur in München und Rom und arbeitete als Architekt, bevor er sich 2001 ganz der Fotografie widmetete. In seinen meist großformatigen Foto-Arbeiten mischt er mithilfe digitaler Bildbeartbeitung das künstliche und natürliche Licht von Stadtlandschaften zu einem synthetischen Licht. Seit 2018 schafft er mit seinem Berliner Studiokollegen Benjamin Zuber auch skulpturale Arbeiten und Installationen. Er war u.a. an Ausstellungen beteiligt im Palais des Beaux Arts, Brüssel; Calouste Gulbenkian Foundation, Lissabon; Australian Center for Photography, Sydney; Centre Pompidou, Paris; MoCP Museum of Contemporary Photography, Chicago; National Museum of Modern and Contemporary Art, Seoul; UCCA Center for Contemporary Art, Beijing. 2015 nahm er an der Biennale für zeitgenössische Kunst in Thessaloniki teil.
Seine Arbeiten befinden u.a. in Sammlungen der Calouste Gulbenkian Foundation, Lissabon; des Europäischen Patentamts, München; der ING Real Estate, Amsterdam; der Münchner Rück Versicherung, München und der Bayerischen Staatsgemäldesammlung.

Benjamin Zuber:

Benjamin Zuber (*1982 in Bamberg) studierte bis 2012 an den Akademien der Bildenden Künste in Nürnberg und Wien sowie an der Hochschule für Gestaltung in Karlsruhe. Heute lebt und arbeitet er in Berlin.
Seit 2018 arbeitet er auch gemeinsam mit seinem Berliner Studiokollegen Thomas Weinberger.
Er erhielt bereits eine Reihe von Auszeichnungen, zuletzt den bayerischen Kunstförderpreis (2018). Seine Arbeiten wurden international gezeigt, zuletzt unter anderem in Ausstellungen in der Pinakothek der Moderne in München (2020, mit Thomas Weinberger), im Kallmann Museum Ismaning (2020, mit Thomas Weinberger), dem Kunsthaus Nürnberg (2019) und dem Sigmund Freud Museum in Wien (2018).
In einem permanenten Balanceakt zwischen Konstruktion und Dekonstruktion stehen subtile Bedeutungsverschiebungen im Zentrum der medienübergreifenden Installationen und Videos von Benjamin Zuber: Der Moment, in dem sich Pathos in Melancholie verwandelt, der Moment, in dem aus einer Inszenierung Authentizität entsteht und aus Komik Tragik wird.
In hoffnungsvoller Übertreibung sind seine Arbeiten unverhohlen subjektiv und zeichnen vielleicht gerade dadurch ein kleines Bild der großen Welt.

GLOBAL – LOKAL / DO THE WINNERS TAKE IT ALL ? (Modul 2)

 

Die österreichischen Konzeptkünstlerin Maria Anwander (lebt in Berlin) setzt sich u. a. mit hintergründigem Humor intensiv mit Institutionskritik auseinander. Mit ihrer Arbeit „The Kiss“ (Videoinstallation) ist sie als Künstlerin (unerlaubt) bis ins Museum of Modern Art in New York vorgedrungen, der in Meran und Aschaffenburg lebende Künstler Thomas Sterna performt in seinem Video von 2019 ein witzig-ernstes Künstlergespräch mit sich selbst („On or gone / Art talk“) und der in Österreich geborene Ruben Aubrecht aus Berlin verbindet in seiner Bodeninstallation Oferta Especial“, (Mexico City 2017) Hochkultur und massentaugliche Alltagskultur.

Alle drei Künstler verweisen mit ihren Arbeiten auf das breite Feld der Teilhabe als Künstler am Kunstgeschehen wie auf dem Kunstmarkt und stellen die Frage mit Maria Anwanders zweiter (Neon)Arbeit: Untitled (Why art now?) und (and what for?)

 Maria Anwander: „The Kiss“ 2010 (Videoinstallation)

Ruben AubrechtOferta Especial“, (Mexico City 2017)

Thomas Sterna: „On or gone / Art talk“ Bregenz 2019 

Link:    https://youtu.be/u1jTDkzPbp4

GLOBAL – LOKAL / DO THE WINNERS TAKE IT ALL ? (Modul 1)

 

Symposium

Das digitale Symposium am 26.04.2021, 19:30‒21:30 Uhr, findet im Rahmen des ersten Ausstellungs-Moduls (bis 10.05.) statt.

Die Gäste:

Stefan Heidenreich, Autor, Medienwissenschaftler (Köln und Basel) und Politikberater, arbeitet derzeit an der Umsetzung demokratischer Verfahren für die Kunst.

Statement: Lokal‒Global? Global ist eine Chance! Und die Frage „Do the Winners take it all?“ kann in die falsche Richtung führen, in eine Neiddebatte, die letztlich nichts ändert. Es geht darum, neben Expertentum (und -kult) sowie einer „Sammler-Oligarchie“ ein Korrektiv zu setzen und zu etablieren: das Kunst-Publikum als drittes Standbein bei der Bewertung von Kunst.

Prof. Dr. Hans Dieter Huber, Künstler, Filmemacher, Wissenschaftler (HGB Leipzig, HfG Karlsruhe, Staatliche Akademie der Bildenden Künste Stuttgart).

Statement: Nur einer kann Star sein. Die vielen anderen Künstler werden ignoriert und sogar aktiv vom Kunstmarkt und Starbetrieb ferngehalten. Während der historische Kern unserer Kunst stabil bleibt, erfindet sich die zeitgenössische, auf medialem Erfolg beruhende Kunst ständig neu ‒ „die Ökonomie des Kunstsystems (…) kann man mit der Börse vergleichen“.

Prof. Dr. Wolfgang Ullrich, Kunstwissenschaftler und freier Autor in Leipzig, forscht und publiziert zum Kunstbegriff, zu bildsoziologischen und konsumkritischen Themen.

Statement: „Obwohl es rein zahlenmäßig nur relativ wenige Siegerkünstler gibt, besteht die Tendenz, den gesamten Kunstbetrieb auf sie zu reduzieren.“ Ein „Künstler“ ist heute mindestens prominent und wird durch Social Media dank zahlreicher Follower schnell zum Star, unter Umständen sogar zur Marke ‒ und damit zum lukrativen Geschäft.

Prof. Dr. Nina Tessa Zahner, Soziologin, erst tätig in der Industrie, forscht seit 2006 an der Universität Leipzig, seit 2017 an der Kunstakademie Düsseldorf.

Statement: Die „zutiefst bürgerliche Idee der Autonomie der Kunst“ tritt als Gegensatz zu ihrer Ökonomisierung auf. Dabei ist die entscheidende Frage: Wem nützt die Autonomie und wem der Markt? Für den Werterhalt werden wenige Werke von Interessensgruppen als Kunst legitimiert. Doch wie passt ein derart reduzierter Kunstbegriff in unsere ausdifferenzierten Gesellschaften?  

Moderation: Dorothee Baer-Bogenschütz, Kunstjournalistin und Autorin, Redakteurin KUNSTZEITUNG und Informationsdienst KUNST.

> ab 19 Uhr erreichbar über folgenden Link:      https://us02web.zoom.us/j/89034843790

 

GLOBAL – LOKAL / DO THE WINNERS TAKE IT ALL ? / MODUL 1 / AUSSTELLUNG

 

Wir teilen, dank der neuen Medien, alle längst einen globalen Blickwinkel und können uns nur noch mit großem Aufwand dieser Betrachtungsweise entziehen. Das zeigt sich in Bezug auf alle relevanten Lebensbereiche. Vor diesem Hintergrund stellt sich, gerade für Künstler, inzwischen immer häufiger die Frage, wie sie mit den globalen Maßstäben umgehen, die an sie über den Markt, über digitale Rankings oder die, von Kuratoren, Kritikern oder Museumsdirektoren ausgeübte Benennungsmacht herangetragen werden. Ziel des Projekts ist es die Mechanismen, die Bedeutung generieren und verwalten zu thematisieren und kritisch zu beleuchten. Das Mixer Team versucht in Form von 3 Ausstellungen und einem Symposium dazu Fragen zu stellen und mögliche „Antworten“ aufzuzeigen.

Eva Könnemann: „Das offenbare Geheimnis“(1995) Video: 30′

Der Film über das kleine westfälische Dorf Emmelsum, das, laut Wikipedia, nichts zu bieten hat, zeigt das Gegenteil von einer Metropole, einen (Un)Ort in der deutschen Provinz, von dem Niemand träumt.

Linda Jasmin Mayer: Die Welt 2020 (Video) 8′

Sieben Mischwesen halb Mensch, halb Vogel ziehen durch unterschiedlichste Welt-Landschaften. Als Wesen im „Dazwischen“ sind alle auf der Suche nach Halt und erforschen die eigene Innenwelt.

Verena Landau: Verena Landau: Giardini di Settembre, 2017, Öl auf Leinwand, 140 ~ 190 cm

Landaus Malerei reflektiert ihren eigenen Präsentationskontext und zeigt Orte des internationalen und lokalen Kunstbetriebs mit ihrem Sehnsuchtspotential, aber auch ihrer Banalität.

Hannes Egger: Art News, 2020/21 interaktive Installation,

Hannes Egger läßt das Publikum sprechen. Wer eine Nummer zieht kann, wenn er aufgerufen wird, einen der 33, teils ironischen, teils absurden Wandtexte über den globalen Kunstbetrieb vorlesen.

Bitte lesen Sie den unten stehenden Text laut vor.  Sprechen Sie dabei in das Mikrophon. Das von Ihnen vorgelesene Textblatt können Sie behalten! Gerne können Sie es zu Hause aufhängen: 

Marina Abramovic lässt die Leiche von Ulay exhumieren, wäscht und präpariert sie zu einer antiken ägyptischen Mumie. Die Ausstellung des Kunstwerks findet in der Londoner Tate statt. Bei der Eröffnung „performt“ Lady Gaga den Hit „Yesterday“ von den Beatles.

 

4 GEWINNT

Performance/Ausstellung

Künstler*innen: Bella Angora (A), Hannes Egger (I), Pascal Lampert (CH), Thomas Sterna (D)

Eröffnung: Freitag, 23. Oktober 2020 um 19 Uhr

 

Für das Performance/Ausstellungsprojekt 4 GEWINNT fügen sich vier unterschiedliche Performances zu einer gemeinsamen Arbeit zusammen. Die bereits bestehenden Performances „just happy“ (Bella Angora), „Tell me“ (Hannes Egger), „Wie sagen wir es den Fischen“ (Pascal Lampert) und „Gaffa“ (Thomas Sterna) werden dabei aus ihrem Kontext gerissen und mit neuen Inhalten besetzt. Lediglich einige Teilaspekte der

Ursprungsperformances werden dabei übernommen und treten miteinander ins Gespräch. Das Projekt ist ein Experiment mit unsicherem Ausgang, sicher ist nur: 4 GEWINNT!

Die vier Performances werden in einer stark reduzierten Form präsentiert. Ursprüngliche Inhalte, die durch bestimmte Handlungen sowie durch Sound und Text vermittelt wurden, werden „abgezogen“. Was bleibt sind visuelle Teilaspekte mit skulpturalem Charakter. Während Thomas Sterna, die Banane von Maurizio Cattelan zitierend, mit Gaffatape an der Schaufensterscheibe der Galerie klebt, sitzt Bella Angora ganzkörperbandagiert auf einem Podest. Pascal Lampert zieht hingegen mit einer runden Tafel Kreidekreise auf dem Boden und erinnert an den Rambach, einen bis vor Kurzem noch unverbauten Bach in den Alpen.

Hannes Egger wiederum läßt das Publikum sprechen und fügt die Besucher*innen in das skurrile Geschehen ein. Zwischen den Performer*innen entsteht ein Gespräch darüber, was es heute bedeutet Kunst zu machen, mit der Kunst bzw. von der Kunst zu leben. Alle vier Künstler*innen haben dabei einen spezifischen Zugang:

Psychische Auswirkungen einer Kunstkarriere treffen auf Kunsthistorisches, Marktanalysen und Kunsttheorie. Die bewusst absurde Szenerie vermittelt den Eindruck, als ob die Performer*Innen ihre eigentliche Arbeit bereits erledigt hätten und nun in einen privaten Modus wechseln, gleichzeitig aber noch

in ihren „Arbeitskleidern“ und Berufsrollen stecken. Die künstlerische Herausforderung besteht bei 4 GEWINNT primär darin, einen verbindenden dramaturgischen Ablauf zu kreieren, der vier Performances zu einer einzigen zusammenwachsen lässt.

4 GEWINNT ist der Versuch, ein Arbeitsprofil eines Berufes bzw. einer Berufung zu erstellen und sich darüber auszutauschen. Dabei werden unterschiedliche Fragestellungen gestreift: Warum arbeitet ein Großteil der Kunstschaffenden zum Nulltarif? Wie wirkt sich die seit längerem stark zuspitzende Situation innerhalb eines Kunstmarktes auf die KünstlerInnen aus? Was bedeutet es, in der Kunst Karriere zu machen? Wie wirkt sich ein Leben ohne finanzielle Absicherung auf einen Menschen aus? Welchen Stellenwert hat die Kunst innerhalb unserer Gesellschaft? Welche Veränderungen wären notwendig? Bei der Suche nach Antworten führen sich die Performer*innen teilweise selbst ad absurdum. Die überaus ernste Thematik wird mit einer guten Portion schwarzem Humor und Satire beleuchtet, spricht doch ein Künstler als an eine Glasscheibe geklebtes Bild, eine Andere sitzt einbandagiert wie kurz nach einem Totalchrash der Dritte verfolgt autistisch den Lauf eines Baches und der Vierte hat seinen Platz geräumt um ihn dem Publikum zu überlassen.

verzeichnet / NMKG Neue Münchner Künstlergenossenschaft e. V.

 

 

Thomas Breitenfeld, Peter Engel, Anna Frydman, Baldur Geipel, Patricija Gilyte, Esther Glück, Nausikaa Hacker, Christian Heß, Angelika Högerl, Monika Humm, Martin Kargruber, Michael Krause, Karina Kueffner, Martin Mayer, Manfred Mayerle, Boris Maximowitz  Elisabeth Mehrl, Eugen W. Müller, Alois Öllinger, Christine Ott, Bernhard Paul, Anton Petz, Peter Pohl, Sybille Rath, Barbara Regner,Ulla Reiter, Eva Ruhland, Monika Schultes, Frauke Sohn, Dietmar Spörl, Rose Stach, Susan Stadler, Toni Stegmayer, Thomas Sterna, Gotlind Timmermanns, Tatjana Utz, Stefanie Unruh, Paul Valentin, Felix Weinold, Karin Welponer, Almut Wöhrle-Russ, Andreas Zingerle

Die Ausstellung stellt Fragen nach Semiotik, Ästhetik und Lesbarkeit von Zeichnungen, nach der vermeintlichen Fehlerhaftigkeit von Kunstwerken, nach Erfassung und Überwachung: dem eigenen Verzeichnet-Werden.

Eröffnung: Freitag 04.09.2020 um 19 Uhr

Ausstellung: 05.09. – 16.10.2020

Freitag :   16 – 20 Uhr

Samstag: 12 – 18 Uhr

und nach telefonischer Vereinbarung:

+49 (0)162 2470257  +49(0)171 3173041

Katja Windau und Julia Ring: DER APPARAT

 

Eröffnung: Freitag 26.06.2020 von 18 Uhr -22 Uhr

Ausstellung: 27.06. – 22.08.2020
Freitag : 16 – 20 Uhr,
Samstag: 12 bis 17 Uhr

und nach telefonischer Vereinbarung:

+49 (0)162 2470257
+49 (0)171 3173041

Das Projekt DER APPARAT besteht aus einer Reihe von Arbeiten, die von Jean Genets Theaterstück “Der Balkon” inspiriert sind.
«Genets Balkon kreist um ein philosophisches Grundthema, um das Verhältnis von Sein und Schein, Realität und Rolle, Bild und Spiegelbild und stellt in diesem Gegenüber die Frage nach dem (…) Essentiellen menschlicher Existenz.» 1 Genets Stück spielt in einem Bordell 2, in dem die Besucher in ranghafte Rollen schlüpfen, die ihnen das reale Leben vorenthält, wie etwa Richter, General, Bischof. Ausserhalb des Etablissements tobt eine Revolution, die schließlich zum Sturz der Mächtigen führt. Um die Ordnung im Staat wieder herzustellen und um sich selbst zu retten, posieren die im Bordell Anwesenden in ihren Kostümen auf dem Balkon vor der aufgebrachten Menge und übernehmen schließlich ihre zuvor nur gespielten Rollen.

Genets Sujet wird in DER APPARAT in eine durch Technophilie und Fake geprägte Gegenwart überführt. Die entstehenden Arbeiten beschäftigen sich mit der Beziehung des Selbst zu einem Apparat. Der Apparat kann hier scheinbar banal für ein Werkzeug oder ein technisches Gerät (Mobiltelefon, Computer), aber auch komplexer für eine gesellschaftliche Erscheinung stehen (Institution, Verfassung oder Zeitphänomen), der man sich ausgeliefert fühlt, oder in die/das es sich zu integrieren gilt.

DIE KÜNSTLERINNEN
Katja Windau und Julia Ring arbeiten mit den Medien Skulptur, Installation und Performance.

Katja Windaus Arbeiten untersuchen Phänomene des Mainstreams, die Entstehung von Machtverhältnissen und gesellschaftliche Geschlechterrollen. Dafür greift sie oft Versatzstücke aus Alltagskultur und Medien, aus Trash, Pornografie oder Starkult auf. Die Künstlerin ist oft selbst Akteurin in ihren Inszenierungen, die mit Hilfe von Maskierungen und symbolischen Objekten stattfinden, und mit Kamera und Tonaufnahmegerät aufgezeichnet werden.

Julia Ring arbeitet mit Wahrnehmungsprozessen im und durch Raum hindurch mit Bezug zu Ton, Licht, Sprache und Bewegung. Ihr geht es darum, sich in unbekannte Situationen zu begeben, sich ihnen auszusetzen. Verständnis kommt erst mit der Bewegung. Mit dem sich Fallen lassen. Ausgehend von Julia Rings früherer Arbeit am Theater sind Texte oft der Ausgangspunkt ihrer Projekte, wobei nicht Sprache und Narrativität dominieren, sondern die einzelnen theatralischen Elemente (Raum, Licht, Ton, Körper) gleichberechtigt auf einer Ebene existieren.

In ihren seit 2014 auch gemeinsam entstehenden Projekten verschmelzen die Künstlerinnen ihre Arbeitsweisen und Ansätze. Ideen werden nebeneinander gestellt oder überlagern sich collagenhaft, so dass neue Zusammenhänge entstehen. Elemente aus Architektur, urbanem Raum, Theater, Malerei und Film & Fotografie werden als found footage eingebracht oder umgearbeitet. Julia Ring und Katja Windau arbeiten oft mit Modellen, die nicht nur den Formfindungsprozess dokumentieren, sondern selbst zu skulpturalen Objekten werden. In den Wiederholungen und Variationen werden sowohl unterschiedliche Aspekte sichtbar als auch Kernaussagen betont. Es entstehen Raum-Modelle und Installationen, die mit Video und Sound kombiniert werden.

 
Kontakt:
Katja Windau
mail@katjawindau.de

Verena Landau „discrete, still“

Foyer 2017, 140 x 190 cm, Öl auf Leinwand,

Eröffnung: Freitag 08.05.2020 von 17 Uhr – 21 Uh

Ausstellung: 09.05. – 13.06.2020

Freitag : 16 – 20 Uhr,

Samstag: 12 –  18 Uhr

Bitte beachten Sie, dass wir ggfs. den Einlass beschränken müssen, damit die Abstandsregeln eingehalten werden können. Außerdem bitten wir Sie, den Mixer nur mit einem Mund-Nasen-Schutz zu betreten.

Pressetext:

Verena Landaus Malerei reflektiert ihren eigenen Präsentationskontext und könnte im weitesten Sinne als institutionskritisch bezeichnet werden. In einer frühen Serie von 2005 zeigte sie zum Beispiel ihre „Feindbilder.“ Das waren Politiker- oder Manager-Porträts, die sie mit dem Rücken zur Kunst malte. Das Konzept entsprang der Erfahrung, dass auch kritisch gemeinte Sujets wie z.B. ihre malerische Umsetzung eines Standbildes aus dem Pasolini Film „Mamma Roma“ nicht davor gefeit sind, nach dem Verkauf als Kulisse für repräsentative Porträts leitender Bankdirektoren oder Manager zu dienen. In der aktuellen Schau ist eine dieser alten Arbeiten vertreten.

Die neueren Sujets erinnern zum Teil an die Rückenfiguren Caspar David Friedrichs, die ,den Akt der Betrachtung verdoppelnd, uns dazu auffordern, im Bild an ihre Stelle zu treten. Es entsteht eine Subjektivierung des Blicks, ein bewusster verdoppelter Hinweis auf das Perspektivische jedes gegenständlichen Gemäldes. Ähnliches passiert bei, an Schnappschüsse erinnernden Bildern wie z.B. „Foyer“, wo wir eine typische Vernissage Situation in einem Museum gezeigt bekommen. Auch hier nehmen wir als Betrachter eine bestimmte Position ein und fühlen uns eventuell erinnert an eigene Vernissage Besuche, die ja immer etwas mit Schaulaufen zu tun haben und oft auch gepaart sind mit Gefühlen der Unsicherheit oder Angst: Kenne ich den Künstler oder andere Besucher? Werde ich gesehen oder links liegen gelassen? Wie wird sich der Kurator oder Galerist mir gegenüber verhalten etc. Landau thematisiert damit auf subtile Weise jene „feinen Unterschiede“, die die Kunstwelt heute mehr denn je prägen. Ihre Malerei kann, so gesehen, auch durchaus als politisch charakterisiert werden. Mit diesem Ansatz unterscheidet sie sich wohltuend von all den rein kommerziell, auf Dekoration ausgerichteten Bildwelten, die heute die Galerien füllen.

Vita:

Verena Landau, geboren 1965 in Düsseldorf, lebt und arbeitet in Leipzig. Von 1994 bis1999 studierte sie Malerei/Grafik an der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig bei Arno Rink, Neo Rauch und Wolfram Ebersbach. Im Jahr 2003 erhielt sie ein Stipendium der Sparkassen- Kulturstiftung Hessen-Thüringen. Seit 2008 ist sie künstlerische Mitarbeiterin am Institut für Kunstpädagogik der Universität Leipzig. Ihre Arbeiten wurden u.a. gezeigt im Museum der bildenden Künste, Leipzig, der Galerie für Zeitgenössische Kunst, Leipzig, im Deutschen Historischen Museum Berlin, im Museum Krolikarnia-Palais Warschau (Polen), im Muzeul de Artă, Timisoara (Rumänien) und in der School of Visual Arts, New York.

Ausstellungen 2019: »permanent vacation« galerie.leipziger-schule (solo),»VOIX«, Museum der bildenden Künste, Leipzig, (MalerinnenNetzWerk Berlin-Leipzig), »Löwen & Meerjungfrauen«, Dom Kultury KADR, Warschau & Kustodie der Universität Leipzig (Dozent*innenausstellung), »Urban Space«, Galerie Anette Müller, Düsseldorf (group), »CHIASMA« Carrara Gallery, Carrara, Italien (solo)

Feindbild_Verleih03_JürgenKluge_McKinsey Deutschland, 2005, 65Å~85cm, Öl auf Leinwand

DER MIXER

Die Galerie „Der Mixer Frankfurt“ entstand 2017 aus einer temporären Initiative von 7 Künstlern/innen aus Österreich, Italien und Deutschland und wird mittlerweile von einem verkleinerten Team weitergeführt.  Der Galeriename ist Programm, denn den Verantwortlichen geht es vor allem darum künstlerische Positionen zu zeigen, die sich spielerisch-kritisch mit gesellschaftlichen Themen, unter besonderer Berücksichtigung des so genannten Kunstbetriebs, auseinandersetzen. Ziel dabei ist und bleibt es einen breiten, direkten Kontakt zwischen Kunst-Produzenten und Rezipienten zu ermöglichen und deren Austausch zu fördern. 

AUSSTELLUNGEN 2020

 

MACHT, KONTROLLE UND DER SPASSFAKTOR 

01.02. – 14.03.2020

 

AUSSTELLUNGEN 2019

OVER AND IN 01.12. – 20.01.2019
BLEND 26.01. – 17.03.2019
u. A. w. g 23.03. – 04.05.2019
OUT OF THE BLUE 11.05. – 23.06.2019

ROOM ART ANONYMOUS

29.06. – 31.08.2019

QUESTION MARKS
EXTRO- AND INTROSPECTIVE

07.09. – 30.10.2019

BITS AND PIECES 2.0 30.11.2019 – 26.1.2020
   

AUSSTELLUNGEN 2018

AUSSTELLUNGEN 2017